 |
| |
| In
der EU sterben jährig mehr Menschen am Tabakkonsum als durch AIDS, Unfälle,
Suizid und illegalen Drogen |
| |
| Nach Schätzungen
der WHO raucht etwa ein drittel der erwachsenen Weltbevölkerung regelmässig.
Das sind etwa 1,1 Milliarden Menschen. In Deutschland sind etwa jeder
dritte Mann und gut jede fünfte Frau vom Nikotin abhängig. Dabei nimmt
der Raucheranteil der Männer seit einiger Zeit ab, der der Fraün hingegen
zu. Bedrohlich ist das immer jüngere Einstiegsalter: Ständig sinkt das
Durchschnittsalter der Jugendlichen, die regelmässig einen Glimmstengel
in der Hand halten. |
| Die meisten
Raucher sind zwischen 20 und 50 Jahren alt. Von den 30- bis 40-jährigen
Männern greift fast jeder zweite zur Zigarette & Co. Statistisch gesehen
hat 1998 jeder Bundesbürger vom Säugling bis zum Greis fast 1700 Zigaretten
konsumiert, was knapp fünf Zigaretten pro Tag entspricht. Der Grossteil
unter den regelmässigen Rauchern kommt auf fünf bis zwanzig Zigaretten
täglich. Und die Sucht hat ihren Preis: In Deutschland sterben jährlich
weit über 100 000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums - in der Europäischen
Union sind es rund 500 000, in den Industrieländern 1,9 Millionen Todesfälle
jedes Jahr. Das sind mehr Tode als durch AIDS, Autounfälle, Mord, Suizid
und illegale Drogen zusammengenommen. |
| |
| Acht bis
neun Jahre Leben gehen verloren |
| |
| Der jahrelange
Zigarettenkonsum zwingt Herz und Lunge in die Knie. Es kommt zu Arterienverkalkung
Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, chronischer Bronchitis und Lungenkrebs.
Die grosse Bedeutung des Rauchens zu allen diesen Erkrankungen belegen
epidemiologische Studien seit den 50er Jahren. |
| Eine
Studie von Sir Richard Doll an britischen Ärzten mit einer Beobachtungszeit
von 40 Jahren zeigt: Nur jeder zweite der über 25 Zigaretten pro
Tag rauchenden, aber 80 Prozent der nie rauchenden Ärzte erreicht
das 70. Lebensjahr (Doll 1994). Im Durchschnitt verliert ein Raucher
acht bis neun Jahre seines Lebens. |
| Die Häufigkeit
von Lungenkrebs hat bei Männern seit 1930 und bei Fraün seit 1960 dramatisch
zugenommen. Dies ist nicht auf die allgemeine Luftverschmutzung, sondern
in erster Linie auf die Exposition gegenüber Tabakrauch zutückzuführen,
die heute für 80-90 Prozent der Bronchialkrebse verantwortlich gemacht
wird. |
| |
| 15 - 40fach
erhöhtes Tumorrisiko |
| |
| Eine kausale
Beziehung zwischen Rauchen und Lungenkrebs ist seit 1964 bewiesen. Bereits
zu diesem Zeitpunkt argumentierten die amerikanischen National Institutes
of Health, dass die Zunahme von Lungenkrebs im 20. Jahrhundert mit der
des Rauchens einhergeht. Schon damals gingen aus 29 Fall-Kontroll- und
sieben Kohortenstudien klar der zeitliche Zusammenhang und eine sehr deutliche
Dosis-Wirkungsbeziehung hervor. Beim mässigen Raucher (10-20 Zigaretten/Tag)
ist das Risiko, einen Tumor der Lunge zu entwickeln, etwa 15fach, beim
starken Raucher (20-40 Zigaretten/Tag) zirka 40fach höher als beim Nichtraucher.
Doch Tabakrauch ist nicht nur ein Lungenkanzerogen: Er erhöht auch das
Risiko für Krebs der Mundhöhle, des Kehlkopfes, der Speiseröhre, der
Harnblase, der Nieren und der Bauchspeicheldrüse. |
| Bis heute
haben die Chemiker rund 4000 Substanzen im blaün Dunst nachgewiesen,
von denen 50 (aus Erfahrung am Arbeitsplatz) als Krebs erzeugend für
den Menschen oder im Tierversuch ausgewiesen wurden (Baker 1990). Diese
Substanzen liegen entweder gasförmig vor oder sind an feine Partikel
des Rauchs absorbiert. Filter verringern den Partikelanteil zwar, eliminieren
ihn aber nicht völlig, vor allem nicht die kleinen Teilchen. |
| Zu den krebserregenden
Verbrennungsprodukten gehören Benzol, Benzo(a)pyren und weitere polyzyklische
aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Nitrosamine sowie aromatische Amine.
Einige N-Nitrosoverbindungen gelten als tabakspezifisch, zum Beispiel
Nitrosonornikotin (NNN). |
| Neben den
zahlreichen chemischen Kanzerogenen inhaliert der Raucher verschiedene
radioaktive Metalle, die über ihre Strahlenwirkung zur Tumorbildung beitragen
können, zum Beispiel die Alpha-Strahler Thorium-228, Radium-226 und Polonium-210,
Kadmium und weitere Schwermetalle. Formaldehyd, Stickoxide (NO, NO2) sowie
Zyanwasserstoff (HCN) runden den Giftmix ab. |
| Bestimmte
Veränderungen der Schleimhaut bei Rauchern gelten als Vorstufen des Tumors:
zum Beispiel wachsen - dosisabhängig vom Zigarettenkonsum - vermehrt
Basalzellen, metaplasieren Epithelzellen und bilden sich mikroskopisch
kleine Herde neoplastischer Zellen: "carcinoma in situ". |
| Tabakrauch
reduziert ausserdem die Effektivität des reinigenden Flimmerepithels
und verstärkt die "innere" Exposition gegenüber anderen Schadstoffen
in der Lunge. Letztere reinigt sich durch den Flimmerstrom nicht mehr
selbst: Die an die Partikel absorbierten Kanzerogene verweilen länger
in der Lunge und haben mehr Zeit, dort ihre schädigende Wirkung zu entfalten.
Ausserdem ist bei Rauchern das Immunsystem geschwächt und damit die Abwehr
des Körpers gegen Krebszellen vermindert. |
| |
| © bei Umwelt-News
/ 6/2000 - Januar 2001 |
| |
 |
| |
| |