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Tag ohne neue Schreckensmeldungen über das akute Atemnotsyndrom (SARS).
Die Medienberichte erwecken den Eindruck, als stünde die Menschheit
einer beispiellosen Gefahr gegenüber und ein einziger Erkrankungsfall
in Deutschland veranlasste das Fernsehen, SARS-Sondersendungen auszustrahlen.
Was ist dran an der neuen Lungenseuche? Der aktuelle Stand (28. April
2003). Die Vorgeschichte Aus einem Flussdiagramm im Morbidity und Mortality Weekly Report (2003, 52: 241-248) geht hervor, dass SARS durch einen einzigen Besucher aus der Provinz Guangdong nach Hongkong eingeschleppt wurde. Dieser „Patient A“, ein 64-jähriger chinesischer Medizinprofessor reist am 22.02.03 zu einer Familienfeier nach Hongkong. Er hält sich dort, wie alle anderen früheren Erkrankungsfälle, im Hotel Metropol auf. Neun dieser dreizehn Fälle hatten ihre Zimmer auf der gleichen neunten Etage, die anderen müssen in der Lobby, im Fahrstuhl oder anderswo Kontakt zu dem schwerkranken Patienten gehabt haben, der am 04. März in einem Hongkonger Krankenhaus verstarb.
Einer der Hotelgäste, der 48-jährige US-Geschäftsmann Johnny Chen, fliegt am 23.02.03 bereits hustend nach Hanoi. Er fühlt sich schwer krank und wird direkt vom Flugzeug aus ins französische Krankenhaus der Stadt eingeliefert. Der Mann besteht auf einer Rückreise nach Hongkong und stirbt dort am 13. März im Hospital. Kurz darauf fallen sein behandelnder Arzt und eine Krankenschwester in Hanoi einer schweren Lungenentzündung zum Opfer und es erkranken 58 weitere Angestellte der Klinik. Carlo Urbani, Mediziner der Weltgesundheitsorganisation WHO, tauft die mysteriöse Lungenentzündung auf den Namen SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) und stirbt kurz darauf selbst daran. Der 46-jährige Italiener hatte sich in der Hanoier Klinik intensiv um Johnny Chen gekümmert. Urbani war der seltsame aggressive Verlauf der Lungeninfektion als Erstem aufgefallen. Nun soll der neue Erreger seinen Namen tragen. Zu den Infizierten gehören nicht nur die Patienten, die später in vier Hongkonger Kliniken behandelt werden, sondern auch ein Arzt aus Singapur, der zunächst nach Singapur zurückkehrte, dort 70 Personen infizierte, dann einen medizinischen Kongress in New York besuchte (wo offenbar niemand angesteckt wurde) und schließlich mit zwei Angehörigen auf der Isolierstation in Frankfurt/Main behandelt wurde. Zu den Kontakten im Hotel gehören weiter zwei Touristen, die nach ihrer Rückkehr die ersten 16 Fälle in Toronto/Kanada auslösten. Der Erreger Aufgrund ihrer ersten Erfahrungen mit 10 SARS-Patienten, vermuteten Hongkonger Mediziner eine Inkubationszeit des Erregers zwischen 2 und 10 Tagen. Auf der Suche nach dem Erreger herrschte anfangs keineswegs Klarheit. Zur Zeit sieht es so aus, als sei der Hauptverantwortliche für SARS eine neue Gruppe von Corona-Viren, die für den Menschen bislang keine krankmachende Bedeutung hatte. Gesunde verfügten nach den bisherigen Erkenntnissen über keinerlei Antikörper dagegen, folglich sei die Bevölkerung nie zuvor mit diesen Erregern in Kontakt gekommen. Vermutet wird am ehesten ein Infektionsweg über Tröpfcheninfektion mit kurzer Reichweite (bis zu 2 m), aber auch eine Schmierinfektion über die Darmpassage oder eine Ansteckung über die Augenbindehäute erscheint möglich. Genauso spekulativ ist die Herkunft des Erregers. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um ein Virus, das in seiner ursprünglichen Form in chinesischen Haus- und Wildtieren der Provinz Guangdong siedelte. Der dort übliche enge Kontakt von Mensch und Tier und oft katastrophalen hygienischen Verhältnissen begünstigt einen Wirtswechsel der Bioparasiten. Oft genügt eine geringfügige Genmutation, um den Erreger humankompatibel zu machen und plötzlich fühlt er sich im menschlichen Lungentrakt wohl. Alle Patienten wurden hochfiebrig in die Klinik eingeliefert ( über 38°C über mehr als 24 Stunden). Die meisten litten an Schüttelfrost, trockenem Husten, Atemnot, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Sauerstoffmangel. In den Laboruntersuchungen fand sich eine Verminderung spezieller weißer Blutkörperchen (Lymphozytopenie), die Röntgenaufnahmen zeigten nahezu in allen Fällen entzündungsbedingte Herdsetzungen der Lunge. Die Aussichten Ein neuer Schnelltest, den das Hamburger Biotechnologie-Unternehmen artus GmbH zusammen mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin entwickelt hat, weist innerhalb von 2 Stunden Bestandteile des neuartigen Corona-Virus verlässlich nach. Das Testverfahren dürfte mittlerweile den meisten Laboratorien zur Verfügung stehen. Nach den bisherigen Erkenntnissen liegt die Sterblichkeit der Erkrankung zwischen 4 bis 6%, es gibt weder Impfmöglichkeiten noch spezielle Medikamente. Ein allgemein verfügbarer Impfstoff ist frühestens in 1 bis 2 Jahren zu erwarten. Die Behandlungsoptionen: Elektrolyt-Infusionen, Fiebersenkung, maschinelle Beatmung, Intensivpflege. Die Ausbreitung der Epidemie ist derzeit zwar nicht sicher abschätzbar, die neue Lungenerkrankung muss sich aber nicht zwangsläufig über die ganze Welt ausbreiten.
Ob sich SARS tatsächlich endgültig eindämmen lässt, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen in China entscheiden. Dort hat man die Krankheit zu lange vertuscht und dort besteht der Eindruck, dass die Epidemie noch längst nicht im Griff ist. Die 14 Millionen Einwohner zählende Hauptstadt ist das Zentrum der Lungenkrankheit in China. Seit einer Woche werden täglich 100 neue SARS-Erkrankungen gemeldet. Alleine in Peking sind mittlerweile fast 8000 Menschen in Quarantäne genommen worden.
Angesichts der Situation in Deutschland sowie insgesamt in Europa, besteht derzeit keinerlei Grund für eine SARS-Hysterie. Das Robert-Koch-Institut gibt auf seiner Homepage neben aktuellen nationalen und internationalen Fallzahlen, Hintergrundinformationen, Fragen und Antworten zu SARS, aktuelle Falldefinitionen sowie Empfehlungen zur Vorgehensweise bei Verdachtsfällen. Bislang gibt es in insgesamt 10 europäischen Ländern 31 SARS-Fälle, davon 5 in Frankreich und 7 in Deutschland. Lediglich in einem Fall jedoch soll die Krankheit innerhalb Europas übertragen worden sein. Auch im weltweiten Maßstab zählt SARS aufgrund der Infektionszahlen zu den seltenen Erkrankungen. Bei jeder Grippe-Epidemie erkranken und sterben wesentlich mehr Menschen. Und es sind hunderte Millionen (!) Menschen, die jährlich an Malaria (ca. 100 Millionen, davon 70% Fraün und Kinder), Aids, Tuberkulose und Hepatitis sterben aber auch infolge von Hunger und verunreinigtem Wasser. Doch das beunruhigt die Öffentlichkeit und die Medien offenbar nur sporadisch.
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| Aktuelles Thema Mai 2003 |